Beispiele wichtiger Fälle

Kurt Wiese

geboren 4.September 1914 in Schleusenau, Bromberg

SS-Oberscharführer Kurt Wiese, genannt der „Schlächter von Bialystok“ wurde beschuldigt, zwischen 1941-1943 als Kriminalassistent des Kommandos der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (KdS) mindestens zweihundert Menschen in Grodno und Bialystok/Polen, darunter 80 jüdische Kinder sowie das gesamte Personal des jüdischen Ghetto-Krankenhauses, erschossen zu haben. Eine genaue Auflistung der grausamen Verbrechen Wieses mit Namen von Zeugen und deren Aussagen fand sich in sowjetischen Akten, die Wiesenthal über den Leiter des Wiener Büros der sowjetischen Zeitungsagentur Tass angefordert hatte.

1963 wurde Kurt Wiese in Köln verhaftet, jedoch gegen eine Kaution von 4000 DM bis zu seiner gerichtlichen Verhandlung auf freien Fuß gesetzt, sodass er 1964 die Flucht aus Deutschland ergreifen konnte. Daraufhin verfasste Simon Wiesenthal einen Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung, in dem er sich über die häufige Freilassung von NS-Tätern gegen Kaution beschwerte, die ihnen eine Flucht leicht machen würde. Da Wiesenthal Wiese in Österreich vermutete, wandte er sich hier an einen Informanten, mit dessen Hilfe es ihm auch tatsächlich gelang, die Spur des NS-Täters aufzunehmen. Es waren jedoch mehrere Interventionen von Wiesenthal bei den österreichischen und deutschen Justizbehörden notwendig, bis in Österreich ein Haftbefehl gegen Kurt Wiese vorlag. Dadurch konnte dieser, auf seiner geplanten Flucht nach Ägypten, erst in allerletzter Sekunde in einem Zug nahe der österreichischen Grenze verhaftet werden. Wiese wurde am 27. Juni 1968 am Landgericht Köln schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Leserbrief von Simon Wiesenthal an die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ nach der Flucht von Kurt Wiese, 13. Juli 1964

Brief von Simon Wiesenthal an den österreichischen Innenminister bezüglich der Verzögerungen im Fall Kurt Wiese seitens der Behörden, 17. Juli 1964


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