Beispiele wichtiger Fälle

 

Adolf Eichmann

geboren 13. März 1906 in Solingen, hingerichtet 1. Juni 1962 im Gefängnis Ramleh/Israel

SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann war als Leiter des für die Deportation und Vertreibung der Juden zuständigen Referats des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) einer der Haupt-verantwortlichen für die Ermordung von ungefähr sechs Millionen Menschen jüdischer Abstammung. Nachdem er zunächst die Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien organisiert hatte, die sich die Vertreibung der Juden aus Deutschland und dem annektierten Österreich zum Ziel gemacht hatte, erhielt er die Leitung der von Reinhard Heydrich eingerichteten Reichszentrale für jüdische Auswanderung in Berlin. In dieser Funktion war er maßgeblich an den Planungen zur Zwangsumsiedlung der jüdischen Bevölkerung in das Generalgouvernement beteiligt. Nach Übernahme des Referats IV B 4 („Juden- und Räumungsangelegenheiten“) des Reichssicherheitshauptamtes wurde er als klassischer Schreibtischtäter zur zentralen Figur für die Organisation der Massentransporte von über vier Millionen Juden in die Vernichtungslager.

Kurz nach dem Krieg begann Simon Wiesenthal die Spur von Eichmann aufzunehmen. Dieser hatte sich nach seiner Flucht aus dem amerikanischen Internierungslager Oberdachstetten zunächst in der Gegend von Bad Aussee, im steirischen Salzkammergut aufgehalten. Wiesenthal sammelte Zeugenaussagen und versuchte über Kontaktpersonen, sowie durch Beobachtung von Eichmanns (geschiedener) Ehefrau in Altaussee, Informationen über seinen Aufenthaltsort einzuholen. Ein wichtiger Verdienst Wiesenthals war die Verhinderung der Todeserklärung Eichmanns, welche die Ehefrau 1947 bei Gericht zu erwirken versuchte. Diese hätte automatisch Eichmanns Namen aus allen Fahndungslisten entfernt.

1951 brachte Wiesenthal in Erfahrung, dass der ehemalige Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung vermutlich mit Hilfe deutsch-katholischer Kreise im Vatikan um Bischof Hudal, entlang der so genannten Rattenlinie, nach Südamerika ausgewandert war. Durch einen Philatelisten erfuhr er ein paar Jahre später, dass Eichmann in Argentinien lebte. Am 30. März 1954 informierte Wiesenthal den World Jewish Congress in New York mit einem vollständigen Bericht über seine bisherige Suche nach Eichmann.

Anfang 1960 gelang es ihm, anhand von Fotos der Brüder Eichmanns, die auf dem Begräbnis deren Vaters aufgenommen worden waren, eine mögliche aktuelle Abbildung von Adolf Eichmann zu rekonstruieren. Dadurch konnte der NS-Täter, der unter falschem Namen in Buenos Aires lebte, identifiziert werden. Am 11. Mai 1960 wurde Eichmann vom israelischen Geheimdienst gefasst und nach Israel gebracht. Der Prozess vor dem Jerusalemer Bezirksgericht, dem auch Simon Wiesenthal beiwohnte, endete am 15. Dezember 1961 mit dem Todesurteil. Es wurde am 1. Juni 1962 vollstreckt.

Wiesenthals Rolle bei der Ergreifung Eichmanns wurde später sowohl vom Chef des Mossad als auch von jüdischer Seite in den USA immer wieder in Frage gestellt. Als Antwort darauf erschien 1992 mit Documents Against Words bei der Stichting Bestrijding Antisemitisme (STIBA) eine ausführliche Dokumentation von Richard A. Stein über die Rolle Wiesenthals im Fall Eichmann.

Lebenslauf von Adolf Eichmann

Brief von Simon Wiesenthal an den Präsidenten des World Jewish Congress mit einem Bericht zu seiner Suche nach Adolf Eichmann, 30. März 1954

Glückwunschtelegramm von Yad Vashem an Simon Wiesenthal nach der Ergreifung Adolf Eichmanns,
24. Mai 1960

 

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