Biographie

Tätigkeit in Linz


1945

Cyla und Simon Wiesenthal wiedervereint nach Kriegsende in Linz Wiesenthal bei der Eröffnung der Synagoge für Displaced Persons, 1945

Am 5. Mai 1945 wird das Lager Mauthausen von den amerikanischen Truppen befreit. Cyla Wiesenthal hat den Krieg teilweise im polnischen Untergrund und zuletzt als „arische“ Fremdarbeiterin - sie ist blond und hat blaue Augen - in einer Fabrik in Heiligenhaus/Wuppertal/Deutschland überlebt. Insgesamt haben die Wiesenthals während des nationalsozialistischen Regimes
89 Mitglieder ihrer Familien verloren.

Fast unmittelbar nach der Befreiung nimmt Simon Wiesenthal jene Tätigkeit auf, aus der er zunächst die Kraft zum Weiterleben schöpft, und die zu seiner selbst gewählten Lebensaufgabe werden sollte:
die Suche nach NS-Tätern und ihre Überführung an die Gerichtsbarkeit. Schon am 25. Mai, also 20 Tage nach seiner Befreiung aus dem KZ Mauthausen, überreicht er dem U.S.-Camp-Commander, Colonel Seibel, einen Brief, in dem
er seine Hilfe bei der Ausforschung von NS-Verbrechern anbietet. Dieses Dokument enthält neben seinem Lebenslauf auch die erste von ihm verfasste Liste von NS-Tätern, welche 91 Namen von SS-Männern und Gestapo-Angehörigen aufweist, unter denen Wiesenthal entweder während des
Krieges persönlich zu leiden hatte, oder von denen er weiß, dass sie an
seinen Mithäftlingen Verbrechen begingen.

Bald danach beginnt er in Linz für das amerikanische Office of Strategic Services (OSS) und später für den Counter Intelligence Corps (CIC) zu arbeiten. Er sammelt Zeugenaussagen von Überlebenden in den Lagern für Displaced Persons, erstellt Listen von NS-Tätern und ist befugt, selbst Verhaftungen durchführen. Ein Großteil der ca. 2000 NS-Verbrecher, die vor Gericht gebracht werden konnten, werden in dieser Zeit unmittelbar nach dem Krieg ausgeforscht. Dies ist in jenen Jahren noch relativ leicht, da sich viele ehemalige NS-Täter in naher Umgebung befinden, und es zahlreiche Opfer in den Lagern für Displaced Persons gibt, die deren Taten bezeugen können.


1946

Wiesenthal als Redner bei der Gedenkfeier am 1. Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen, 5. Mai 1946

Im September wird Tochter Pauline geboren.
Wiesenthal gründet ein jüdisches Komitee von Überlebenden aus dem KZ Mauthausen. Die Mitglieder bemühen sich um Familienzusammenführungen in den Lagern für Displaced Persons und helfen bei der Erstellung von Zeugen- und Täterlisten.



1947-1961

Urnen mit Asche der Opfer aus den österreichischen Konzentrationslagern vor ihrer Überstellung nach Israel, 1948Urnen mit Asche aus den österreichischen KonzentrationslagernSimon Wiesenthal bei Abnahme von Prüfungen für ORTPresseausweis

Nach der Trennung vom Counter Intelligence Corps gründet Wiesenthal sein eigenes privates Büro zur Ausforschung von
NS-Verbrechern: die Jüdische Historische Dokumentation in Linz. Bis 1961 sollte er von Linz aus seiner Aufgabe nachgehen. Gleichzeitig arbeitet er in jüdischen karitativen Organisationen mit:

  • Bei Brichah (Flucht), einer Rettungsorganisation, die die illegale Einwanderung nach Palästina betreibt.
  • Für die Organisation for Rehabilitation and Training (ORT) organisiert er Berufsausbildung und Sprachtraining für Flüchtlinge aus dem Osten, die in das neu gegründete Israel auszuwandern beabsichtigen.

Über viele Jahre hinweg verfolgt er seinen für jene Zeit wichtigsten Fall, den von Adolf Eichmann. Dieser wird durch seine Mithilfe 1960 durch den Mossad (israelischer Geheimdienst) in Argentinien gekidnappt und 1961 in Israel zum Tod verurteilt. Die Suche ist in Wiesenthals Buch Ich jagte Eichmann beschrieben.
Im Laufe der Jahre wird die Tätigkeit Wiesenthals jedoch zunehmend schwieriger, da das Interesse an der Verfolgung
von NS-Tätern allmählich nachlässt. In den Organisationen der Alliierten kommen immer mehr ehemalige Nationalsozialisten als Agenten des Kalten Krieges unter, später werden andere auch
in privaten und öffentlichen Institutionen Österreichs und Deutschlands wieder eingestellt.

 

 

 

 

 

 

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