Biographie

Studienzeit und erste Berufsjahre


1928-1932

Karikatur  von Simon Wiesenthal veröffentlicht im 'Omnibus'

Simon Wiesenthal legt die Matura ab und beschließt, Architektur zu studieren. Ein Studium an der nahe gelegenen Hochschule in Lemberg kommt jedoch nicht in Frage, da es für Juden Zulassungsbeschränkungen gibt. Er fällt die Entscheidung, nach Prag zu gehen, wo er an der Deutschen Technischen Hochschule inskribiert. Nach nur einem Semester wechselt er, vor allem wegen des immer stärker werdenden Antisemitismus, an die Tschechische Technische Hochschule und absolviert dort sein Architekturstudium. Er besteht das Absolutorium, braucht aber noch ein polnisches Diplom, um als vollständig qualifizierter Architekt arbeiten zu können.
Wiesenthal erlebt den künstlerischen Reichtum, die Vielfalt und Schönheit Prags als große Bereicherung und empfindet die Atmosphäre der Stadt im Vergleich zu seiner Heimat als relativ liberal.



1932-1938

Hochzeit von Cyla und Simon Wiesenthal am 9. September 1936

Er kehrt nach Lemberg zurück, um an der dortigen Technischen Universität das Diplom zu machen. Gleichzeitig arbeitet Simon Wiesenthal bei lokalen Baufirmen und erhält bald die ersten Aufträge, für einige wohlhabendere Juden Häuser zu entwerfen.

Gemeinsam mit seinen Freunden gibt er eine jüdische satirische Studenten-zeitung, den „Omnibus“ heraus. Für diese fertigt er Karikaturen an, von denen viele die Nationalsozialisten und ihren Antisemitismus aufs Korn nehmen. Einige der nicht konfiszierten Karikaturen sind in der Polnischen Nationalbibliothek aufbewahrt.



1936

Am 9. September heiratet er seine langjährige Freundin aus Gymnasiumstagen, Cyla Müller. Er arbeitet in einem Architekturbüro in Lemberg.



1937

Bau einer Villa in Dolina für seinen Stiefvater.



1939-1941

Erst nach dem Bau eines Sanatoriums für Tuberkulosekranke wird seine akademische Befähigung als Bauingenieur anerkannt.

Nach der Unterzeichnung des Nichtangriffpaktes zwischen Hitler und Stalin fällt Lemberg unter sowjetische Souveränität. Die Repressionen gegen Juden und „Kapitalisten“ werden stärker. Der Stiefvater wird eingesperrt, enteignet und stirbt schließlich an den Folgen der Haft. Wiesenthal darf nicht länger in einem „bürgerlichen“ Beruf arbeiten, muss sein Architekturbüro schließen und verdient sein Geld als Arbeiter in einer Matratzenfabrik.

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